Maserati Levante SQ4 Gran Sport - der fordert Leidenschaft

3. Sep. 2019 I Autor: Hagen Greifenthal I 1221 mal gelesen
Maserati Levante SQ4 Gran Sport - der fordert Leidenschaft
So dunkel und böse wie auf diesem Bild ist der Levante gar nicht - eher dezent, edel und saustark

Levante, zu Deutsch: "Erhöhen". So nennt Maserati sein Luxus-SUV, das nicht nur per Luftfahrwerk erhöht werden kann, sondern auch den Status des Reisenden zu neuen Höhen auflaufen lässt. Maserati bietet mit dem Levante eine der elegantesten Arten, in einem SUV Platz zu nehmen. So verzerrt die geschwungene, geduckte Seitenlinie das Bild des klotzigen City-SUV zum Gran Turismo - das sorgt vor allem im tiefergelegten Sportmodus für Aufsehen bei der täglichen Fahrt vom Anwesen ins Büro und zurück. Ein Maserati kostet aber auch - vor allem wenn er einen Ferrari-Motor hat. 124.100 Euro rufen die Italiener für den Testwagen auf, den Dennis Gauert für uns gefahren hat.



Mit einer Sinfonie für fein abgestimmte Fanfaren mit Paukenschlägen tönt der 430 PS starke Ferrari-Biturbo aus dem Heck des Levante - soviel Leidenschaft wirkt im SUV-Segment schon schwärmerisch. Im Turiner Mirafiori-Werk ticken die Uhren eben anders. Ein Kind dieser italienischen Automobiltradition ist auch der Levante: Mit seinem weit aufgerissenen Raubfischmaul, hinter dem sich automatisch gesteuerte Lüftungsklappen je nach Bedarf öffnen und schliessen, beansprucht der Levante die Vorherrschaft auf der Strasse. Vornehm, maskulin, tiefsinnig – so könnte man die Linie beschreiben, die den Levante angelehnt an seine Brüder Quattroporte und Ghibli definiert.

Der Levante bietet Eleganz, Sound und Optik - aber wenig Extras

Im Fond hingegen wacht mancher aus der schön geträumten Phantasiewelt auf - und erkennt, das auch die italienische Designschmiede keine Vollendete komponiert hat. Ähnlichkeiten zur Klassenkonkurrenz, besonders dem Porsche Cayenne, lassen sich aus Sicht der hinteren Insassen nicht verleugnen. Um die Kundschaft für sich zu gewinnen, wollte man sie allerdings wohl nicht zu sehr mit neumodischem Schnickschnack schockieren. Bei den Assistenzsystemen hingegen gelingt dies im Handumdrehen, denn die Aufpreise für Systeme, die bei hoch motorisierten Klassenkonkurrenten oft zur Serienausstattung gehören, haben es bei Maserati in sich.

430 Ferrari-PS machen viel Spass und hören erst bei 264 km/h auf

Doch Maserati-Kunden sitzen nicht hinten, denn worauf es bei einem Fahrzeug wie dem Levante ankommt, ist der Fahrspass. Der wird durch den 3,0-Liter V6-Biturbo von Ferrari garantiert, wenn 430 Pferdchen wie wild nach Drehzahlen gieren. Bei 5.750 U/min liegt die maximale PS-Leistung an, das maximale Drehmoment von 580 Newtonmetern entfaltet sich bereits zwischen 4.500 und 5.000 U/min. Die Motorisierung schiebt den über zwei Tonnen schweren Italiener in 5,2 Sekunden auf Tempo 100 km/h, Schluss ist erst bei 264 km/h.



Auch technisch bringt der Levante SQ4 ordentlich sportliche Gene mit. Das adaptive Luftfahrwerk nivelliert die Karosserie je nach Fahrprogramm und gibt im Sportmodus direkte Rückmeldung an den Fahrer. Beim Lenkgefühl herrscht Klarheit und die Kurvengeschwindigkeiten sind beachtlich. Dabei halten die Reifen stets Kontakt zum Untergrund und werden durch ein intelligentes Allradsystem bedarfsgerecht gesteuert. Regulär konzentriert sich der Antrieb auf die Hinterachse und kann bis zu einem Verhältnis von 50/50 auf die vorderen Räder übertragen werden. So kommt Schlupf gar nicht erst zustande.

Wer nicht aufpasst, bringt den Levante in neue Verbrauchs-Sphären

Allerdings sollte das Anker-Werfen geübt sein, denn die gelochten Bremsscheiben mit Festkolben-Bremssätteln – so gut sie auch ansprechen – können das hohe Gewicht nicht immer im Zaum halten. Die Fahreigenschaften lassen schnell vergessen, das man sich in einem über fünf Meter langen SUV befindet. Dies spricht für Maseratis dynamische Abstimmung, die aber auch einen entsprechend hohen Verbrauch zur Folge hat: Schon beim streicheln des Gaspedals stehen bereits knapp 15 Liter auf der Uhr. Nimmt man sich den Ferrari-Motor richtig zur Brust, sind 20 Liter und mehr keine Ausnahme. Das sollte Maserati-Besitzer aber traditionell eh weniger stören.



Der Innenraum des Levante verbindet die Stärken von Ghibli und Quattroporte zu einer erhabenen Kabine. Die Sitze mit abgestepptem Leder im verspielt-edlen Design sprechen eine klare Sprache: Hier nimmt der Chef Platz. Mit Dreizack-Wappen auf den Kopfstützen spielt Prestige nämlich auch hinter der Doppelverglasung rahmenloser Türen eine Rolle - und das Gestühl ist auch in Sachen Komfort ein Primus.

Eine saubere Ausstattung - aber einige Details passen so gar nicht

Das Armaturenbrett wurde in feinste Lederhäute gekleidet und mit Ziernähten neu definiert - dazu will der Kunststoffrahmen um das Infotainment-System aber so gar nicht passen. Auch die Mittelkonsole in Klavierlack bietet zu wenig optische Qualität für ein Auto dieser Preisklasse. "Ohne Holz nichts los,", könnte man sagen. Wenn Maserati hier doch bloss andere Punkte auf die Liste der Extras gesetzt hätte. In modernen Zeiten wird im Levante schon das ablegen von Smartphone und Co. bei jedem Einsteigen zur neuen Aufgabe. Das Ablage-Konzept mit einer ausziehbaren Handy-Schublade ist da nicht wirklich eine Hilfe.



Die Mittelkonsole ist um den Schaltrahmen klar angeordnet, eine Knopf-Flut gibt es bei Maserati nicht - dafür eine Klimaanlage, die in der Tiefe nur über den Touchscreen steuerbar ist. Das macht die Bedienung zwar optisch reizvoller, aber nicht leichter. Die Lenkradtasten und der Tacho hingegen sind einfach zu erlernen, auch Assistenzsysteme können leicht eingestellt werden.

Sehr teurer Spurhalte-Assistent kann die Spur nicht immer halten

Leider sind Systeme wie der aufpreispflichtige "Highway-Assist" kein technisches Feuerwerk. Der Spurhalteassistent funktioniert ausschliesslich auf Autobahnen und Bundesstrassen, die Linien müssen einwandfrei erkennbar sein. Doch selbst dann quittiert das System zwischenzeitig seinen Dienst mit Verweis auf zu hohe Geschwindigkeit – unabhängig davon, wie schnell der Levante gerade wirklich unterwegs ist. 7.980 Euro Aufpreis auf den Basispreis sind für diese Behelfslösung mehr als eine Frechheit. Eleganter wäre es da noch gewesen, sich von Assistenzsystemen offen zu distanzieren und sie gar nicht erst anzubieten. Das würde Jeder einer Sportwagenschmiede verzeihen.



Wer damit keine Probleme hat, wird dafür mit einem echt italienischen Lebensgefühl belohnt. Nüchtern gesehen sind die Konkurrenten aus München oder Stuttgart nicht schlechter, in Vielem sogar besser. Auch Jaguar hat jüngst mit dem F-Pace bewiesen, das die britische Interpretation eines Luxus-SUV viel zu bieten hat und nicht viel kosten muss. Aber Jaguar, Audi, Porsche oder BMW sind eben "toll", aber kein Italiener. Und erst recht kein Maserati. Wie bei einem guten Wein: Teuer heisst noch lange nicht, das er auch gut ist. Man muss ihn aber mögen.

So ist der Käufer des Levante SQ4 auch Jemand, der vor seiner Leidenschaft kapituliert. Jemand, dem Emotionen wichtiger sind als nackte Fakten und Zahlen. Und damit es nicht ganz so schmerzt, gibt es den Dreizack ja auch ab ab günstigeren 74.100 Euro als Diesel-Variante. Das die zwei Tenöre in den Auspuffrohren dann nur digital zum Tanz auffordern, ist zu verschmerzen. Im eigenen Traumauto statt in der nächsten SUV-Modellpflege aus Deutschland zu sitzen, fordert einfach Verzicht auf der Vernunftsebene. Basta!

Technische Daten Maserati Levante SQ4 Gran Sport

Länge x Breite x Höhe: 5.000 x 1.970 x 1.680 mm
Radstand: 3.040 mm
Motor: V6-Turbo-Ottomotor, 2979 ccm, Direkteinspritzung
Leistung: 430 PS bei 5.750 U/min
Max. Drehmoment: 580 Nm von 4.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 264 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 5,2 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 10,9 Liter
CO2-Emissionen: 253 g/km (Euro 6)
Tankinhalt: 80 Liter
Leergewicht: 2.109 kg
Kofferraumvolumen: 580 - 1.600 Liter
Reifen (v/h): 265/50 R 19 / 295/45 R 19
Basispreis: 87.720 Euro
Testwagenpreis: 124.100 Euro

hs/dennis gauert/ampnet/auto-reporter | Fotos: Ampnet, Maserati




 

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