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Seat Arona 1.0 TGI - ein SUV das mit Müll angetrieben wird

7. Oct. 2019 I Autor: Hagen Greifenthal I 754 mal gelesen
Seat Arona 1.0 TGI - ein SUV das mit Müll angetrieben wird
Gasantrieb, bei dem das Bio-Gas aus Müll gewonnen wird - Seat setzt wieder auf CNG-Technologie

Wo bleibt der Flux-Kompensator* ? Kommt! Naja, hoffentlich, eines Tages. Die Autoindustrie hat aktuell gleich mehrere Probleme. Sehen wir vom aktuellen Elektro-Wahn ab, versuchen sich einige Autohersteller auch an besseren Alternativen wie Wasserstoff oder ganz simpel: Gas, komprimiert (CNG) oder flüssig (LNG). Das gibt es eigentlich schon über Jahrzehnte, die Tankstellen-Netze wuchsen - doch dann ging der Boom auch schon wieder zurück. Wer z.B. im Süden Hamburgs wohnt und Erdgas braucht, konnte bis vor 5 Jahren maximal im Umkreis von 10 Minuten tanken. Heute sind es 20 bis 30 Minuten bis zur Gas-Tankstelle, weil diese überall zurückgebaut werden - oder dauerhaft defekt sind.

In den 2000ern hetzte die BILD-Zeitung gegen Sprit-aus-Müll Techik

Hatte Anfang der 2000er fast jeder Autohersteller schon ein Erdgas-Modell im Programm, haben sich die grossen Autohersteller fast vom Gas verabschiedet - Ausnahmen bilden Audi, Fiat, Skoda und Volkswagen. Und Seat - doch die gehen noch einen Schritt weiter. Die Spanier haben eine jahrzehntealte Technik wiederbelebt: Aus Müll (!) Sprit, bzw. Bio-Gas (Methan) herstellen und damit CO2-Neutral fahren. Doch leider wurde diese Technologie über Jahrzehnte von Politik, Medien und Lobbyisten torpediert. Vor allem die "BILD Zeitung" hetzte seinerzeit tagelang, in dem sie Müll einfach als Katzen bezeichnete - und die Vorreiter der Technologie als "Katzenkiller".



Dabei ist Gas eine perfekte Alternative: Man fährt (auf Wunsch) CO2-neutral, kann wie bisher tanken, hat vernünftige Reichweiten, die Technologie kann leicht und kostengünstig adaptiert werden - und es bleibt noch eine Reserve für herkömmlichen Sprit wenn mal keine Tankstelle in der Nähe ist. Die Spanier von Seat geben nun im wahrsten Sinne des Wortes "Gas": Vier Modelle mit einem Antrieb für luftigen Kraftstoff hat der Hersteller im Angebot - darunter das einzige CNG-SUV. Und wie sich das in der Praxis schlägt, haben wir einmal ausprobiert.

Für 1.000 Euro Aufpreis können Seat Kunden easy C02-Neutral fahren

Unter der Haube des Öko-Arona läuft der 1-Liter Dreizylinder, der auch in anderen Konzernmodellen zum Einsatz kommt. Für den Arona ist er auf Erdgas-Verbrennung optimiert und leistet 90 PS. Am Heck trägt er das Kürzel "TGI", was für "Turbo Gas Injection" steht. Der reine Benziner hat zwar fünf Pferdestärken mehr, dafür aber nur ein Fünf-Gang-Getriebe - der TGI benutzt eine Sechs-Gang Handschaltung. Das Beste: Die Zusatzkosten gegenüber der vergleichbaren TSI-Version betragen moderate 1.000 Euro.



Die Ernsthaftigkeit, mit der Seat weiter auf Erdgas setzt, ist nicht nur daran zu erkennen, das man sich dem von der EU finanzierten und auf vier Jahre angelegten Projekt der Gewinnung von Gas aus Deponie-Abfällen anschliesst. Die spanische Marke vertraut darauf, das sich wegen der Umwelt- und Kostenvorteile eine steigende Zahl von Kunden für die Variante entscheiden wird. Mehrere Millionen investiert sie in den Ausbau der Produktion von Erdgasfahrzeugen. Der Output im Werk Martorell soll von 95 auf 250 Einheiten täglich hochgefahren werden. Werden die Autos nur mit Bio-Gas gefahren, sind sie CO2-neutral unterwegs.

Da der Arona auf der Plattform des Ibiza basiert, taugt er nicht zum Raumwunder. Vor allem, wenn es sich die vorderen Insassen richtig bequem machen, müssen die hinten Sitzenden mit Einschränkungen in der Beinfreiheit rechnen. Während vorn zwischen den Türverkleidungen 1,40 Meter Platz ist, sind es hinten noch 1,36 Meter. Die 1,55 Meter hohe Karosserie lässt allen Passagieren genug Kopffreiheit. Die Ladeöffnung hinter der Heckklappe ist 1,08 Meter breit.

Gasanlage wird im kleinen SUV an der Hinterachse untergebracht

Bei einem nur 4,14 Meter langen Auto, das für konventionellen Benzinbetrieb konzipiert und gebaut wurde, nachträglich eine Erdgasanlage unterzubringen, stellt eine gewisse Herausforderung dar. Die Druckbehälter für den Vorrat von 13,8 Kilogramm Erdgas befinden sich an der Hinterachse, was eine Anhebung des Laderaumbodens zur Folge hat. Statt 400 Litern Kofferraum stehen im TGI nur 282 Liter zur Verfügung, bei umgelegten Rücksitzlehnen sind es 1.162 Liter. Die Lehne ist teilbar, so das bis etwa 1,70 Meter lange Gegenstände und drei Passagiere Platz finden können. Der Benzintank als eiserne Reserve hat ein Volumen von 9 Litern. Die Anzeigen für Gas- und Benzintank sind getrennt, eine grüne Kontroll-Lampe signalisiert Erdgasbetrieb.



Dank normierter Anschlüsse ist das Betanken genauso einfach wie mit Benzin. Ventil aufstecken und verriegeln, mit einer Taste an der Säule wird die Druckbefüllung gestartet. Bei den gegenwärtigen Preisen zwischen 1,10 Euro und 1,20 Euro je Kilogramm ist ein voller Tank für 16 Euro zu haben - soetwas an der Zapfsäule zu erleben, daran können sich nur noch betagte Autofahrer erinnern. Die Reichweitenanzeige des Testwagens meldete daraufhin 380 Kilometer. Da können Dieselfahrer nur milde lächeln. Und das ist ein Problem des ansonsten gefälligen und praktischen Aronas: Wegen der beschränkten Platzverhältnisse würde ein grösserer Gastank noch mehr Kofferraumverlust bedeuten, und so muss man Kompromisse bei der Reichweite machen.

Wenig Leistung und kleiner Tank sind keine perfekte Kombination

Ein anderes Problem ist der Verbrauch. Um mit 90 PS und 160 Newtonmetern Drehmoment ein halbwegs zügiges Fahrerlebnis zu erzeugen, kommt man schnell in höhere Drehzahlen. Wie sein Benzin-Pendant ist der Dreizylinder zwar auf 5.500 Touren ausgelegt, doch schon ab 3.000 Umdrehungen in der Minute muss man mit unschönen Effekten auf den Kraftstoffkonsum rechnen. Wer auf der Autobahn eine Zeitlang Richtgeschwindigkeit fährt, wird feststellen, das der Verbrauch tendenziell in die Höhe geht, auch wenn man von einem Niveau von zum Beispiel 4 Kilogramm je 100 Kilometer gestartet ist. Der Testzyklus dieses Aronas wurde mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,6 kg/100 km absolviert, was 0,5 kg über dem Katalogwert lag. Umgerechnet auf Euro je Kilometer bedeutet das Kosten von etwa 5,3 Cent pro Kilometer.



Da Seat auch einen 1,5-Liter-Vierzylinder für CNG (Compressed Natural Gas) anbietet, muss die Frage erlaubt sein, ob dies nicht der bessere Antrieb für den Arona wäre. Ein Leon-Testwagen mit diesem Aggregat kann in der Praxis 4,1 kg/100 km erreichen – hauptsächlich dank der durchschnittlich niedrigeren Drehzahlen. Das der kernig klingende Dreizylinder wegen seiner rustikalen Akustik vielleicht besser zu einem Kompakt-SUV passen mag, sei davon unbenommen. Statt der werksseitig angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 172 km/h schaffte der Testwagen übrigens GPS-gemessene 177 km/h.



Steigende Nachfrage kann man allen Herstellern von CNG-Personenwagen nur wünschen, denn dann wird auch die Zahl der Tankstellen steigen. An einem Aussterben des Verbrenners kann niemandem gelegen sein, schon jetzt plagen viele Zulieferer düstere Zukunftsaussichten. Der Seat Arona mit Erdgasmotor hat auf der Kurz- und Mittelstrecke unbestreitbare Emissions- und Kostenvorteile, zieht aber den Kürzeren gegenüber grösservolumigen Erdgasmotoren, wenn es über lange Distanzen geht.

Technische Daten Seat Arona 1.0 TGI mit CNG-Gasantrieb

Länge x Breite x Höhe (cm): 414 x 178 x 155
Radstand (cm): 257
Motor: R3-Benziner, 999 ccm, Turbo, Direkteinspritzung
Leistung: 90 PS bei 4.500–5.500 U/min
Max. Drehmoment: 160 Nm bei 1800–3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 172 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 13,2 Sek.
Tankvolumen CNG: 13,8 Kg
Tankvolumen Benzin: 9 L
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 4,1 Kg
Testverbrauch: 4,6 Kg
Effizienzklasse: A
CO2-Emissionen: 109 g/km / Neutral bei Biogas
Leergewicht / Zuladung: min. 1.308 kg / 402 kg
Kofferraumvolumen: 280–1.162 Liter
Wendekreis: 10,6 m
Grundpreis: 22.320 Euro
Testwagenpreis: 27.674 Euro

* = Der Flux-Kompensator war eine Art Motor, der in der Film-Serie "Zurück in die Zukunft" bereits in den 80er Jahren aus ein wenig Müll einen DMC DeLorean Sportwagen als Zeitmaschine antreiben konnte.

hs/greifenthal/ampnet/axen f.busse | Fotos: Axel F. Busse / Ampnet, [ BILDBLOG.DE ]



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